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https://www.norbert-eberle.de/index.php/keramik#sigProId01cc63e47b
Bekanntermaßen leben Totgesagte länger. Und wie ist es mit der Malerei , der Zeichnung, der Grafik? Wiederholt wurde deren Ende beschworen. Aber sie sind quicklebendig, diese alten Gattungen der Kunst. Und ihre Kollaborateure, die Künstler, noch dazu. Eberle gehört zu dieser Spezies, der Malerei, der Zeichnung, der Druckgrafik verschworen. Was ihm die Ursprünge bei Horst Sauerbruch und Mac Zimmermann mitgaben, verwandelte er zunächst in metaphorische Darstellungen von Landschaft und Vegetation, die sich später einer zunehmend abstrahierenden Zeichensprache annähern. Auf dem Papier entwickelt er aus dem Raum sein Konstrukt, seine fantastischen Formationen. Zuweilen tauchen Relikte auf, die gegenständlich erscheinen, die Greifbares vortäuschen, um sich in ihrer amorphen Existenz in das umgegende Gespinst einzubetten. Es handelt sich um Gestalten und Spuren aus Leben und Bewusstsein, aus Alltag und Traumzustand, vom Künstler aufgefangen und vernetzt zu einem Gespräch, transkripiert zu einem fiktiven, symbolischen Text, zu einem Gespinst gestischer Hinterlassenschaft.
Mehr als jemals zuvor erweist sich die künstlerische Existenz in unserer Epoche als akrobatischer Akt, als Taumel zwischen Glück und Untergang, als beharrliche Behauptung, dass Kunst sinnvoll ist. Daran führt kein Weg vorbei. Und muss doch immer wieder aufs Neue bewiesen werden. Eberles Werke liefern Argumente für Kontinuität und den Prozess des Nachdenkens, des Sich-Findens und Behauptens, ein Prozess, der sich buchstäblich materiell, mal leiser, mal wuchtiger, niederlässt in Zeichnung, Bild und Keramik.

Ellen Maurer Zilioli

Anlässlich der Ausstellung IM GLÜCK. EIN MÄRCHEN (zusammen mit Annette Lucks) im Kunstforum der Bausparkasse Schwäbisch Hall 2013